Übersicht über die Arbeit in unseren Projekten und Einrichtungen


Kommunikationsebene Arzt -Arzt:


Seit 10 Jahren wurde die Verbesserung der Zusammenarbeit gestärkt. Ein wichtiger (Neben-) Effekt der Arbeit im Gesundheitsprojekt ist die verbesserte Kommunikation unter den Ärzten, sowohl themenzentriert zur Netzarbeit als auch im Rahmen der gemeinsamen Patientenbetreuung. Für den Patienten bedeutet diese intensivierte Zusammenarbeit eine Verbesserung auf den Ebenen Aufmerksamkeit/Wertschätzung, fachliche Kompetenz, Diagnostik und Therapie.


Kooperation mit den Mannheimer Kliniken:

In lockerer Folge finden Gespräche zwischen den ambulant tätigen ÄrztInnen und den KlinikkollegInnen statt. Dabei werden die ubiquitären Probleme der Schnittstellen stationär-ambulant und neue Formen der Kooperation thematisiert.
Patient/Patienten Ebene: Angeregt durch die Schulungen haben sich Patienten zu Selbsthilfegruppen zusammengeschlossen. Auch bereits durch die Informationsverbreitung im Gesundheitsprojekt sind einzelne Selbsthilfegruppen (z.B. Defibrillatorträger) zum Leben erweckt worden.


Arzt- Patienten- Ebene:


1. Datenaustausch: Die Patienten erhalten eine „Patientenmappe“, in die seine Befunde als Kopie vom behandelnden Arzt eingeheftet sind. Diese Daten liegen den mitbehandelnden Ärzten zur Information vor. Der Patient hat sowohl Zugriff auf seine eigenen Untersuchungsergebnisse (Transparenz) als auch die Gewähr, dass zu jeder Zeit, auch an Wochenenden und nachts auf diese Daten zugegriffen werden kann. Die Mitbehandelnden Ärzte können sich somit ein objektiveres Bild über die Krankheitsgeschichte des Patienten machen. Eine Umsetzung in elektronischen Datenaustausch ist für einzelne Dokumentationsbereiche (Qu@linet) etabliert, für weitere in Vorbereitung.


2. Diagnosebezogenen Qualitätssicherungsprojekte: Für die „großen“ Krankheitsbilder Diabetes, Hypertonus, KHK, Herzinsuffizienz, chronisch obstruktive Lungenerkrankungen, Asthma bronchiale, Adipositas und Osteoporose sind Behandlungskorridore erstellt, die den Rahmen der hausärztlichen Betreuung definieren und festlegen, bei welchen Kriterien eine Weiterleitung zur Schwerpunktpraxis erfolgen soll. Die Schwerpunktpraxis entscheidet im Allgemeinen über einen erforderlichen Klinikaufenthalt. Damit wird gewährleistet, dass unnötige Klinikaufnahmen vermieden werden können. Für den Patienten bedeuten diese Qualitätssicherungsmaßnahmen, die sich an den jeweiligen Leitlinien der Fachgesellschaften orientieren, eine intensivere Betreuung: Regelmäßige Kontrolluntersuchung und ein Recallsystem über die Praxis-EDV soll die Compliance in den Praxen erhöhen. Ein standardisiertes Untersuchungsprogramm garantiert den für das jeweilige Krankheitsbild erforderlichen Untersuchungsumfang. Die erhobenen Ergebnisse werden zentral erfasst und ausgewertet. Die früheren Auswertungen zeigten, dass sich für Patienten mit Diabetes mellitus eine Verbesserung der Stoffwechsellage erzielen ließ (durch die vermehrt durchgeführten Schulungen und eine Umstellung der Behandlungsregimes. So war z.B. der Anteil an Patienten, die auf Insulin eingestellt wurden, deutlich gestiegen.). Zu vermerken ist, dass dieses „DMP“ Diabetes bereits seit 1998 vom Netz erarbeitet und umgesetzt wurde, ohne dass hierzu eine externe finanzielle Anreizsituation angeboten worden war.
In Mannheim initiierte 2006 der Fachbereich Gesundheit gemeinsam mit dem Gesundheitsprojekt niedergelassener Ärzte „Mannheim gegen Diabetes“, ein Projekt zur Diabetes Typ 2 Prävention- und Früherkennung. Das Projekt wurde von einer Vielzahl bedeutender Kooperationspartner wie etwa der Deutschen Diabetes-Stiftung oder dem Lehrstuhl für Sozialpsychologie der Universität Mannheim, unterstützt. Die Schirmherrschaft hatte Herr Oberbürgermeister Gerhard Widder übernommen
Ein weiteres Projekt ist die Versorgung von Patienten mit Herzinsuffizienz im Rahmen einer Integrierten Versorgung unter Einbeziehung aller kardiologischen Schwerpunktpraxen. Eine Case Managerin hält über telefonischen und persönlichen Kontakt zu den Patienten eine enge Bindung an die Praxis und erhöht so die Therapieadhärenz.


3. Schulungen: Für die oben angeführten Krankheitsbilder wurden Schulungskonzepte entwickelt. Für die Diabetespatienten (Typ I und Typ II ohne, Typ II mit Insulin, Insulinpumpenträger) erfolgt die Schulung durch dafür qualifizierte Ärzte über einen separat gegründeten Schulungsverein (Diabetesschulung Mannheim e.V.). Der Patient wird dadurch in seiner Eigenverantwortung gestärkt, erhält Informationen über seine Erkrankung, die „normalen“ Praxisalltag aus Zeitgründen nicht vom Arzt/Ärztin vermittelt werden können. Der Umgang mit der Erkrankung wird für den Patienten leichter, die Krankheitsbewältigung überhaupt erst möglich.
Für Herz- Kreislauferkrankungen besteht neben den bereits seit langem etablierten Koronarsportgruppen für die Patienten ein Präventionsprogramm, indem über 20 Wochen sowohl theoretisches Grundwissen über die Herz- Kreislauferkrankung als auch ein Bewegungs- und Entspannungsangebot für die Patienten bereits gestellt wird. Dieses Präventionsprogramm ist im Rahmen der GKV erstattungsfähig.
Neu ist ein Schulungsangebot für Patienten mit COPD und Asthma im Erwachsenenalter. Im Rahmen der Disease Management Programmes zur Versorgung von Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen Dies darf als ein gewaltiger Fortschritt in der Versorgung von Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen angesehen werden.

 
4. Zusammenarbeit mit Krankenkassen: Seit April 2002 bestand mit den Ersatzkassen [VdAK-AEV] der Region eine Vereinbarung zur Verbesserung der Versorgung von Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen [„Atemloooos“]. Diese modellhafte neue Versorgungsstruktur war als ein Vorläufermodell der geförderten Programme für chronisch Kranke [„disease management program“ DMP] angelegt. Letztlich wurde aufgrund der Mannheimer Initiative von gesundheitsökonomischer Seite das Programm, das zunächst nur für Asthmaerkrankungen geplant war, auf alle Menschen mit chronisch obstruktiver Bronchitis erweitert – und in seiner Bewertung als vorrangig eingestuft. Verbesserung des Wissensstandes und mehr Eigenverantwortung für die Patienten – ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung des neuen Arzt – Patientenverhältnisses, in dem Arzt/Ärztin als Partner ihrer Patienten eine bessere Kooperation erreichen wollen. Mit verbunden war eine Bereitschaft der teilnehmenden Ärzte/innen an Qualitätssicherungsmaßnahmen und einer Evaluation dieses Modelles. Die Evaluation wurde von Prof. Eberhard Wille, Lehrstuhl für VWL der Universität Mannheim, durchgeführt. Es konnte u.a. gezeigt werden, dass ein vermehrter Einsatz von Atemwegstherapeutika zu einer Verringerung der Klinikeinweisungen führt.
Mit der BKK Rhein-Neckar und dem Landesverband Ambulantes Operieren wurde eine i.V. „Ambulantes Operieren“ abgeschlossen, die eine verbesserte Versorgung im Bereich ambulantes Operieren ermöglicht. Eine eigenständige Vergütungsregelung und unbürokratische Abläufe vereinfachen die Abläufe.


5. Raucherentwöhnung: Zigarettenrauch aktiv oder passiv „genossen“ ist die Hauptursache der oben erwähnten chronischen Bronchitis (COPD). Unser Ziel muss deshalb sein, ganz im Sinne der Prävention auch gegen die Kräfte Lobby der Tabakindustrie in der Politik, Nichtraucher „zu erzeugen“. Dazu ist ein entsprechendes Raucherentwöhnungprogramm angeboten.


6. Adipositasschulung: Dieses Angebot vermittelt umfassende Grundlagen der Ernährung sowie Bewegungsangebote und Strategien zur Esskontrolle. Auch hier werden die Behandlungs-Daten evaluiert. Die Ergebnisse belegen die Nachhaltigkeit des Schulungskonzeptes, und unterscheiden sich in positiver Hinsicht von Diäten verschiedener Provenienz, die über den „Jo-Jo-Efekt“ deren Erfolge nach mehr oder weniger kurzer Zeit wieder zunichte machen..


7. Osteoporose-Prävention: Das Risiko einer Wirbelfraktur oder Fraktur der Hüfte bei einem Sturz steigt mit zunehmendem Alter. Hormonelle Veränderungen bei Männern und Frauen führen zur Osteoporose, verminderte Bewegung zu muskulärer Schwäche. Kommen noch motorische Störungen hinzu, sind Stürze und alle ihre Folgen (chronische Schmerzen, Operationen, Pflege) vorprogrammiert. Unser Präventionsangebot bezieht sich auf die Gruppe der gefährdeten Personen mit einem umfassenden Beratungsteil (Ernährung), Bewegungsangebot (Muskelaufbau, Koordination, Gehtraining, Sturzprävention) und medizinischer indikationsbezogener Behandlung. 2007 startete der Fachbereich Gesundheit der Stadt Mannheim in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsprojekt das Projekt „Mobil zum Ziel“. Ziel war die Erhaltung von Selbstständigkeit und der mobilitätsassoziierten Lebensqualität.


8. Kompetenznetz Demenzen: Im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsvorhabens "Früherkennung von Patienten mit Leichten Kognitiven Beeinträchtigungen und Demenzen in der hausärztlichen Versorgung" des Kompetenznetzes Demenzen leisten die beteiligten Hausarztpraxen des Gesundheitsprojektes ambulante Forschungsarbeit in Kooperation mit dem Zentralinstitut für seelische Gesundheit Mannheim. Durch die Multizentrizität und das fast vollständige Follow up ist eine sehr gute Aussage über die Entwicklung der Demenzerkrankung, vorliegende Begleiterkrankungen usw. möglich.


9. Der Direkte Draht e.V. (DDD): Der Direkte Draht wurde als Vernetzungs-Projekt auf Initiative des Gesundheits-Projekts Niedergelassene Ärzte e.V., Pro Neuro e.V., dem Projekt Demenzberatungsstelle-Neckarau- Almenhof, der Beratungsstelle für ältere Menschen und ihre Angehörigen - VIVA und der Tagespflege - Internationaler Bund gegründet und wird durch Mitglieder des Gerontopsychiatrischen Forums Mannheim unterstützt. DDD ermöglicht Soforthilfe und Kontinuität, Information zu Pflege und Betreuung, Entlastung pflegender Angehöriger, Präventive Hausbesuche, Frühinterventionen…und trägt damit dazu bei, Verlegenheitseinweisungen, Doppeluntersuchungen, Pflegeheim-aufnahmen, die Beanspruchung des ärztlichen Notdienstes bei sozialer Indikation und Drehtüreffekte zu vermeiden. Eine zentrale Anlaufstelle leitet das Hilfebedarfassessment ein und koordiniert die Allokation von Hilfebedarf und Leistungserbringern.


10. Ein Tag für Ihre Gesundheit: in diesem Jahr hat das Gesundheitsprojekt zum 6. Mal am 20. September im Bürgersaal in N1 den Tag für Ihre Gesundheit abgehalten. Eine Informationsveranstaltung zu den verschiedensten medizinischen Themen mit dem Anspruch der bürgernahen Wissensvermittlung.


11. „Runder Tisch Hospiz“: Die Begleitung unserer Patienten erfolgt kontinuierlich. Die letzte Lebensphase ist auch für die Angehörigen eine belastende Situation. Die Zusammenarbeit mit der seit 10 Jahren bestehenden Einrichtung „runder Tisch Hospiz“ ermöglicht eine Verbesserung in der Versorgung unserer Patienten und Unterstützung für die Betroffenen im Umfeld. Die palliativmedizinische Versorgung wird damit erst in ihrem ganzen Umfang ermöglicht.


11. Hausarzt-Modell „Qu@linet e.V.“: Gesundheitspolitische Entwicklungen lassen grundlegende Änderungen in der Versorgungsstruktur erwarten. Das Gesundheitsprojekt niedergelassener Ärzte e.V. hat sich mit der AOK Baden Württemberg und der Kassenärztlichen Vereinigung – damals noch Nordbaden - zur modellhaften Einführung eines „Qualitäts- und Kooperationsmodells in der hausärztlichen Versorgung“ mit begrenzter Teilnehmerzahl (111 Hausärzte und Pädiater) und zeitlich definiertem Umfang (bis 2011) entschlossen [http://www.qualinet.org]. Diese Versorgungsform wird in ihrer Auswirkung auf Qualität und Ökonomie von Prognos evaluiert. Vergleichende Versorgungsstrukturen in anderen europäischen und außereuropäischen Gesundheitssystemen können nicht ohne Verzerrung auf Deutschland übertragen werden. Wir sehen in diesem Modell die Möglichkeit Transparenz herzustellen. ob und wie die Versorgung von Kranken in vernetzten Strukturen zu verbessern sind. Der Hausarzt verpflichtet sich zur Aktualisierung seines medizinischen Fachwissens: Er nimmt regelmäßig an Qualitätszirkeln und Konferenzen des Ärzte-Netzes teil. Die Ärzte legen Behandlungsrichtlinien für bestimmte Krankheitsbilder fest. Die AOK-Versorgungsprogramme (die so genannten Disease-Management-Programme) für chronisch Kranke - wie Diabetiker oder Brustkrebspatientinnen - werden integriert. Neue Verfahren zur Qualitätskontrolle medizinischer Leistungen kommen zum Einsatz. So wird beispielsweise die Zahl der neu entdeckten Patienten mit Bluthochdruck ermittelt und verglichen. Auf diese Weise kann der einzelne Hausarzt seinen Qualitätsstandard mit Kollegen vergleichen. Durch ein professionelles Netzmanagement erhält das Ärztenetz organisatorische Unterstützung. Die Kommunikation und Kooperation der Hausärzte mit Fachärzten und anderen Spezialisten wird systematisch aufgebaut und optimiert. Jährliche Qualitätsberichte und ein entsprechend installiertes Qualitätscontrolling sollen die Arbeit des Hausarzt-Netzes transparent und nachvollziehbar machen. Die Ärzte erhalten regelmäßig Feedback in Form von Patientenbefragungen. Qualinet erhielt 2004 den Berliner Gesundheitspreis. In der Bewertung durch die Universität Erlangen rangiert Qualinet - nicht zuletzt Dank des professionellen Netzmanagements - an der Spitze deutscher Ärztenetze.